Miriam Margraf  |   Antonio oder Karneval mit Soutane
Antonio

Antonio oder Karneval mit Soutane

"Antonio" war ein Auftragswerk, das heißt, der Vertrag mit dem Verlag Neues Leben war unter Dach und Fach, bevor das Buch angegangen wurde. Das war 1986. Waldtraut Lewin und ich hatten beide unterschrieben. Es sollte nach der Händel-Biografie das zweite gemeinsame biografische Musiker-Portrait beim "Neuen Leben" werden - diesmal jedoch in Form eines Romans.

Da W.L. noch mit anderen Projekten befasst war, begann ich zu recherchieren und verbiss mich in den Stoff. Ich ließ mich vollkommen auf Vivaldis Musik ein, der ich bislang nur oberflächlich zugehört hatte (so, wie man eben die "Vier Jahreszeiten" kennt und als Barock-Liebhaber vielleicht noch "Juditha Triumphan") und je tiefer ich in seine Biografie eindrang, desto mehr faszinierte mich die Figur des Rothaarigen Priesters, des Prete Rosso. Er wurde meine Figur.

Scheinheilig erklärte ich W.L. im Dezember 1986, dass ich "dann schon mal anfangen würde zu schreiben" und verkroch mich in meiner Wohnung auf dem Dresdner Weißen Hirsch. Der Winter, der in diesem Jahr sehr streng war, kam mir zu Hilfe. Wochenlang saß ich eingeschneit in meinem Zimmer mit dem Dauerbrandöfchen (was diesen Namen trug, weil es dauernd nicht brannte), ein wahres Dichterklischee, und schrieb. Erst in die blau-weiß gemusterten (DDR-)handelsüblichen A5-Hefte, später in meine sonnengelbe Erika-Schreibmaschine.

Im Februar 1987 war das Buch fertig. Ich halte es noch immer für eines meiner besten. Es erschien (im DDR-mählichen Mühlengang) zwei Jahre später. Im Herbst 1989. Da interessierte sich gerade niemand für Vivaldi. Nicht einmal ich.

Eine für den Deutschen Verlag für Musik geschriebene und bereits im Andruck vorliegende wissenschaftliche Biografie des Komponisten wanderte zwar noch zum Henschel-Verlag in Berlin, um dann in den Wirren der Wende dennoch lauslos unterzugehen.

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